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  Bericht Rudi Assauer
 
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Rudi Assauer besuchte mit Tochter Bettina (Bild), Büroleiterin Sabine Söldner und Sportreporter Werner Hansch das ZDF-Morgenmagazin "Volle Kanne". (Quelle: dpa)

Der an Alzheimer erkrankte Rudi Assauer wirkte teilnahmslos bei seinem Mammut-TV-Auftritt im ZDF-Morgenmagazin "Volle Kanne". Auf die Frage hin, wie es ihm im Moment gehe, wiederholte er zwar mehrmals "es geht mir jetzt viel besser", das Geschehen in der Gesprächsrunde schien ihn jedoch wenig zu berühren.

Begleitet wurde der 67-Jährige von seiner Tochter Bettina Michel, seiner Büroleiterin Sabine Söldner und dem befreundeten Sportreporter Werner Hansch. Assauers Biografie "Wie ausgewechselt" liegt jetzt in den deutschen Buchläden - darin hat er sein neues Leben mit der Krankheit beschrieben.

"Rudi, mit deiner Birne ist was nicht in Ordnung"

Sportmoderator Werner Hansch, der mit Assauer seit Jahrzehnten befreundet ist, sprach über den Moment, in dem Rudi Assauer zugab, an Alzheimer erkrankt zu sein. Nach dem Besuch einer gemeinsamen Veranstaltung hatte ihn Hansch auf sein merkwürdiges Verhalten dort angesprochen und gesagt: "Rudi, mit deiner Birne ist etwas nicht in Ordnung." Daraufhin sei Assauer in Tränen ausgebrochen und ihm um den Hals gefallen. Anschließend habe er ihm die vielen Kreuzworträtsel gezeigt, die auf seinem Tisch lagen. "Mit denen hat er versucht, sein Gehirn wieder zu trainieren.
Umfeld bemerkte Erkrankung

 

Assauer habe viel später als sein Umfeld bemerkt, dass er erkrankt sei. Seine Büroleiterin Sabine Söldner, die ihn inzwischen abwechselnd mit Tochter Bettina betreut, sagt dazu: "Die Vermutung, dass Rudi an Alzheimer erkrankt war, war lange da, bevor er es wusste. Oft habe ich mich gefragt: Hat er diesen Satz jetzt ironisch gemeint oder weiß er es einfach nicht besser?" Assauer selbst war wütend über die Veränderung in seinem Kopf: "Ich wusste hinterher nicht mehr, mit wem ich gesprochen hatte und das ärgerte mich sehr."

"Die Monate der Geheimhaltung waren anstrengend"

Für die Familie waren die Monate der Geheimhaltung sehr anstrengend. Das Leben sei leichter geworden, seit alles bekannt sei: Tochter Bettina :"Wir haben ihm immer zugeraunt: Das ist jetzt der und der. Wir mussten ihn bei öffentlichen Auftritten ständig beschützen. Jetzt ist es einfacher. Jetzt weiß jeder Bescheid." Lange Zeit sei in der Fußballszene sogar gemunkelt worden: "Der hat sich den Verstand weggesoffen." Mit diesem Gerücht wollten sie durch das radikale "Outing" mit Buch und offensiver Pressearbeit aufräumen.

Rückkehr zu den Wurzeln

Rudi Assauer ist inzwischen bei seiner Tochter Bettina Michel in Herten eingezogen. Das ist der Ort, an dem er aufgewachsen ist und in dem er seine Liebe für den Fußball entdeckt hat. Tochter Bettina spricht offen über die neue Lebenssituation: "Meine Stimmung schwankt sehr. In einem Moment himmelhochjauchzend und im nächsten zu Tode betrübt. Es gibt Tage, da ist es o.k., und es gibt Tage, da denkst du: "Puh, und das ist erst der Anfang! Unser Alltag sieht so aus: Er schläft, so lang er möchte. An manchen Tagen geht er in sein Büro. Ich habe ja noch meine Gastwirtschaft, das Brauhaus. Da fahre ich manchmal hin. In dieser Zeit ist Sabine Söldner bei ihm. Er ist nie allein. Assauer über die Beziehung zu seiner Tochter: "Wir waren mal auseinander. Jetzt haben wir uns wieder zusammengerauft."

"Er erhält fast nur positive Botschaften"

Sabine Söldner gibt Auskunft darüber, wie sehr die Öffentlichkeit an Rudis Schicksal teilnimmt: "Im Moment ist es schwer, bei mir durchzukommen. Jeder Fußballbegeisterte gibt einen Kommentar ab. Egal von welchem Verein. Ein Prozent ungefähr sagen: Vielleicht war es der Lebenswandel, aber der Rest der Kommentare ist sehr positiv. Viele sagen: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen." Auf die Frage, ob Rudi Assauer im Angesicht seiner Krankheit Dinge aus seinem Leben bereue oder heute anders machen würde, sagt er: "Ich denke, es ist alles richtig gewesen." Das Zigarrenrauchen hat er nicht aufgesteckt. Vier bis fünf Lötkolben gönnt er sich noch am Tag: "Aber nur noch paffen, nicht mehr auf Lunge."

Bettina: "Er ist sensibler und feinfühliger geworden"

Natürlich verändert die Krankheit Alzheimer einen Menschen. Tochter Bettina dazu. "Es gab Zeiten, da war er mir sehr fremd. Das ist im Moment besser. Insgesamt ist er sensibler und feinfühliger geworden. Vieles, was vorher unter seiner Macho-Schale versteckt war, ist jetzt rausgekommen."

Arzt: "Biografie-Arbeit ist sehr wichtig"

Auch ein betreuender Arzt von Assauer kommt zu Wort: Professor Hans Georg Nehen von der Memory-Klinik spricht darüber, dass die Tatsache, dass Mutter und Bruder von Rudi Assauer bereits an Alzheimer erkrankt waren, nicht unbedingt hätte bedeuten müssen, dass ihn dasselbe Schicksal träfe: "Der erbliche Faktor ist gering. Die Krankheit kommt sporadisch vor." Wichtige Elemente einer guten Therapie seien Medikamente gegen das Vergessen und gegen die psychischen Symptome Angst, Depression und Wahn. Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Biografie-Arbeit, das Treffen von Menschen, mit denen man lange Zeit emotional eng verbunden sei.

"Wenn man mich anspricht, gebe ich auch eine Antwort"

Und wie geht Assauer in dunklen Momenten mit negativen Gefühlen um? Er sagt: "Man muss durch. An die Seite legen und durchgehen. Dann ist die Birne auch wieder frei." Er wünscht sich, dass die Menschen genauso wie früher mit ihm umgehen: "Ich gehe kaum noch raus. Dann heißt es von den Leuten immer: Da ist der Assauer der ist demenzkrank." Dabei sei es doch so, dass er immer noch laufen, sprechen und alles machen könne: "Wenn man mich anspricht, gebe ich auch eine Antwort."

 
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